Gamestop – David gegen Goliath

Das was sich momentan an den Börsen abspielt hat das Potenzial für einen Hollywoodfilm namens „The Big Short Squeeze“. In dem Michael Burry („The Big Short“) erneut vorkommen würde. Seiner Meinung nach ist der Kurs von Gamestop (GME) im letzten Jahr zu stark gefallen und er hat sich mit Aktien von diesem Unternehmen eingedeckt. Doch was ist seit Anfang Januar 2021 passiert? Schauen wir uns das ganze einmal genauer an.

GME, AMC, BB, NOK, … to the moon!

Auf der beliebten Social-News Website Reddit haben sich Millionen von Usern im Forum „Wallstreetbets“ versammelt. Funfact am Rande, ein deutschsprachiges Pendant „Mauerstraßenwetten“ existiert ebenfalls bei Reddit. In diesem Forum tauschen sich User über Unternehmen aus, welche eine hohe Shortquote aufweisen. Massenhaft wird sich dann gegenseitig angestachelt, die Werte zu kaufen, um die Shortseller zum Kauf zu zwingen. Die Funktionsweise von Shortselling erkläre ich weiter unten in diesem Beitrag.

Screenshot Reddit
Screenshot Reddit (r/wallstreetbets).

Mittlerweile sind in dieser Gruppe 5,7 Millionen User, deren einziges Ziel es ist, die Shortseller in die Knie zu zwingen. Das klingt nach einer unglaublichen David gegen Goliath Geschichte.

Wie funktioniert Shortselling (Leerverkaufen)?

Shortselling ist meines Erachtens eine der größten Perversionen am Kapitalmarkt. Shortseller sind auf der Suche nach Unternehmen, von den sie überzeugt sind, dass es ihnen wirtschaftlich schlecht geht oder diese bereits mit dem Rücken zur Wand stehen. Dann leihen sie sich Aktien der jeweiligen Unternehmen von Aktionären aus und verkaufen diese sofort. Fällt der Kurs des leerverkauften Unternehmens, dann kaufen sie die Aktien und geben sie dem Verleiher zurück. Die Differenz zwischen Verkauf und Kauf streichen sie ein. Ein normaler Aktionär, welcher Aktien kauft und verkauft kann höchstens sein eingesetztes Kapital verlieren. Shortseller hingegen können theoretisch unendlich viel verlieren, da sie die ausgeliehenen Aktien irgendwann zurückgeben müssen. Steigt der Kurs also wie bei Gamestop von 7 $ auf ca. 400 $, dann bedeutet das enorme Verluste. Zumal die Shortseller bei steigendem Verlust gezwungen werden ihre Margin zu erhöhen. Wenn dieser Margin Call eintritt, dann müssen sie ihre Sicherheiten bei der Bank innerhalb von Stunden erhöhen oder die Positionen werden automatisch geschlossen. Melvin Kapital (Shortseller Unternehmen) musste bereits mehr als 1,8 Milliarden Dollar von den Eigentümern auftreiben, um nicht zahlungsunfähig zu werden.

Citron Research

Richtig Fahrt nahm die Rallye letzte Woche an. Citron Research (Shortseller Unternehmen) wollte in einem Livestream erklären, warum Gamestop ein schlechtes Unternehmen ist und warum die „Reddit Autisten“ (so nennen sich die Zocker selbst) verlieren werden. Der Livestream wurde kurzerhand abgesagt, Mitarbeiter bedroht und im Forum schnellte eine Hype-Manie nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ empor. Im Reddit Forum Wallstreetbets (r/wsb) wird der Shortseller seitdem liebevoll nur noch „Shitron“ genannt.

Neobroker Robin Hood und Trade Republic

Am späten Nachmittag des 28. Januar vermeldeten Twitter User, dass bei den neuen Brokern „Robin Hood“ (USA) und „Trade Republic“ (DE) der Kauf von sämtlichen Hype Aktien nicht mehr möglich sei. Lediglich der Verkauf dieser Papiere ist noch möglich. Angeblich um die User selbst zu schützen. Robin Hood ist den meisten als Umverteiler von reich zu arm geläufig. Doch der App- und Broker-Betreiber agiert offenbar umgekehrt. Ein solcher Eingriff in den freien Markt ist wirklich krass und nicht akzeptabel! Mittlerweile beschäftigt sich auch die US-Regierung mit dem Verhalten von einigen Brokern. User haben massenhaft angekündigt, den Broker wegen Marktmanipulation zu verklagen. Angeblich ist ein Shortseller Miteigentümer von Robin Hood. Das alles hat mehr als nur ein „Geschmäckle“ und dürfte weitreichende Folgen haben. Shortseller betrachten seit Jahren den Kapitalmarkt als ihr persönliches Kasino. Aber sobald es mal nicht in ihre Richtung läuft wird alles versucht, um andere Kasino Teilnehmer auszuschalten. Am 29. Januar können Robin Hood und Trade Republic Kunden angeblich wieder Aktien von gehypten Unternehmen kaufen.

Fazit

Jedem Teilnehmer an diesem Spiel dürfte klar sein, dass dies mit langfristiger Geldanlage nichts zu tun hat und reine Zockerei ist. Doch was die Großen dürfen, dürfen auch die kleinen Anleger. Einen Eingriff in den Markt von manchen Brokern empfinde ich als nicht akzeptabel und ob es sich um Marktmanipulation handelt wird mit Sicherheit noch von Gerichten entschieden. Es bleibt auf jeden Fall spannend wie sich die Situation am Kapitalmarkt weiterentwickelt.