HelloFresh – Erfahrungsbericht und Einschätzung des Unternehmens

Einer der großen Gewinner der Coronakrise ist das deutsche Unternehmen „HelloFresh“. Dieses Unternehmen bietet komplette Kochboxen mit den jeweils benötigten Zutaten an. In diesem Blogartikel bewerte ich den Bestellprozess, das Produkt (Qualität der Zutaten, Packaging), Kochanleitung, Unternehmen und gebe zum Schluss noch meine Einschätzung über die zukünftige Entwicklung ab.

Kochbox bestellen

Das Bestellen einer Kochbox war sehr einfach. Man muss mindestens 3 Gerichte für 2 Personen auswählen. Zu bemängeln gibt es lediglich, dass die Gerichte erst am Ende nach der Zahlung ausgetauscht werden können. Da es auch bestimmte Aktionen mit etwas höheren Preisen zur Auswahl gibt, können die Kosten im nachhinein noch etwas steigen. Die Gerichte können bis Dienstag 23:59 Uhr geändert werden. Es handelt sich bei der Dienstleistung von HelloFresh um eine Art Abo-Modell, dessen Lieferung jederzeit pausiert oder komplett gestoppt werden kann. Solltet ihr lediglich eine Kochbox testen wollen, könnt ihr nach der Lieferung in eurem Profil weitere Lieferungen stoppen.

Screenshot Hellofresh
Nach der Registrierung kann man über „Meine Lieferungen“ die Auswahl der Gerichte ändern.

Versand und Empfang der Kochbox

Der Versand erfolgte über DPD Express und wurde wie gewünscht am Samstagvormittag (+ 0,99 € Extrakosten) zugestellt. Der Karton hat laut DPD Sendungsauskunft ein Gesamtgewicht von über 6 Kg. Es sollen alle Verpackungsmaterialien recycelt werden können.

HelloFresh 1
Der Aufdruck verspricht eine zu 100% recycelbare Versandverpackung.

Auf mich wirken die einzelnen Zutaten gut verpackt und frisch. Zutaten, welche gekühlt werden müssen sind separat in einem Kühlsack verpackt (später mehr dazu).

HelloFresh 2
So sind die Zutaten im Karton verpackt.

Es wird wirklich alles mitgeliefert, sogar die Gewürze. „Greta-Jünger“ dürften beim Anblick des anfallenden Plastikmülls allerdings zurecht in Schnappatmung verfallen. Wie man auf dem folgenden Bild sieht, sind die Gerichte in ziemlich viele Plastikverpackungen aufgeteilt.

HelloFresh 3
Ausgepackt sieht der Inhalt dann so aus.

Damit die Rezepte gelingen, enthält das Paket einen Umschlag mit den bestellten Gerichten. Diese sind verständlich aufgebaut und bilden zusätzlich nochmal alle erforderlichen Zutaten ab. Kommen wir noch zur Kühlung. Kritische Ingredienzien wie Fleisch, Butter, Sahne und Käse sind einem Kühlsack aus Pappe oder Papier inklusive sechs wiederverwendbaren Kühlpads untergebracht. Sollte man regelmäßig bei HelloFresh bestellen, bekommt man ein Platzproblem bei der Lagerung. Sprich überflüssige Kühlpads werden entsorgt und es fällt noch mehr Plastikmüll an.

HelloFresh 4
Sechs Kühlpads sorgen für eine unterbrechungsfreie Kühlung der Zutaten.

Kochen und Geschmack

Kommen wir nun zur wichtigsten Frage: Wie schmecken die selbst gekochten Gerichte? Die Zubereitung der Gerichte ist dank der beigefügten Kochkarte sehr einfach. Selbst als Dummie lassen sich die Gerichte kochen. Geschmacklich lässt sich sagen, dass ich positiv überrascht bin. Es schmeckt insgesamt ganz gut, bis auf das Fleisch (Schnitzel und Steak). Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal Gerichte ohne Fleisch ausprobieren.

Gericht 1
1. Tag: Spätzle mit Hack und Röstzwiebeln, Porree und Champignons

 

Gericht 2
2. Tag: Knuspriges Kräuterschnitzel, dazu Ofenkartoffeln und grüner Salat mit Radieschen

 

Gericht 3
3. Tag: Striploin-Steak mit Rosmarinbutter, dazu käsige Ofenkartoffeln und bunter Salat

Bis auf die große Anzahl an Plastikverpackungen hat mich das Konzept von HelloFresh überzeugt. Vielleicht gibt es sogar noch Potenzial die Gerichte und Auslieferung mit lokalen Partnern vor Ort durchzuführen. Dies könnte den Müll reduzieren und zugleich den Einzelhandel stärken.

Unternehmensbewertung

Das Unternehmen HelloFresh wurde 2011 gegründet und ist im „Food Subscription“-Bereich tätig. Mittlerweile ist die Kundenanzahl auf 4,2 Mio. (Q1/2020) angewachsen, welche 14,7 Mio. Bestellungen generiert haben. Es handelt sich also nicht um eine kleine „Pommesbude“, sondern um ein gereiftes Unternehmen, das ein enormes Wachstum hinter sich und wahrscheinlich auch noch vor sich hat. Die Kunden (2,6 Mio.) und deren Bestellungen (8,9 Mio.) stammen zum Großteil aus den USA. Schauen wir uns nun die wirklich harten Fakten an, um über ein mögliches Investment entscheiden zu können.

Q1/2020 Q1/2019
Umsatz (in Mio. €) 699,1 420,1 +66,4 %
Marge (%) 28,8 29,0 -0,2 %

Der Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um Zweidrittel erhöht. Wenn man bedenkt, dass sich Corona im ersten Quartal kaum bemerkbar gemacht haben dürfte, ist dieses Ergebnis fantastisch. Die Marge reduzierte sich minimal um 0,2 Prozentpunkte aber auf einem sehr guten Niveau.

2019 2018 2017
Eigenkapital (in Mio. €) 245,3 236,7 303,3
Eigenkapitalquote (%) 43,02 % 59,76 % 66,97 %
Fremdkapital (in Mio. €) 324,9 159,4 149,6
Fremdkapitalquote (%) 56,98 % 40,24 % 33,03 %

HelloFresh wächst nach wie vor sehr stark, das dürfte auch der Hauptgrund für das dahin schmelzende Eigenkapital sein. Zusätzlich erhöht sich der Fremdkapitalbedarf kontinuierlich.

Fazit
Ich halte dieses Unternehmen für sehr spannend, auch was die zukünftige Aussicht betrifft. Ein starkes Wachstum ist vorhanden und selbst wenn Corona irgendwann vorbei ist, dürfte das Unternehmen weiter wachsen. Vervierfachung des Aktienkurses innerhalb eines Jahres ist ein Statement. Für diesen Wachstumswert ist ein KGV von knapp 40 auch vollkommen in Ordnung. Ich persönlich warte die Q2-Zahlen ab und treffe dann eine Entscheidung.

 

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