Interview mit einer Frugalistin

Für diesen Blogartikel hat mir Lena einige Fragen beantwortet. Bevor wir uns mit dem Interview beschäftigen, stelle ich euch Lena kurz vor. Vorab ein herzliches Dankeschön für die ehrliche und ausführliche Beantwortung meiner Fragen.

Sie ist 26 Jahre alt und seit über 2,5 Jahren berufstätig, im Vertrieb bei einem Maschinenhersteller im Raum Stuttgart. Davor hat sie Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Den Frugalismus entdeckte sie vor ein paar Monaten. Als Neuling ist sie noch dabei diesen für sich zu entdecken und zu definieren.

 

Wie hast du den Frugalismus für dich entdeckt?

Zum Frugalismus bin ich über dem Umweg vom Minimalismus gekommen. Ich habe mir viele Youtube-Videos, Blogs und später auch Instagram Seiten zum Thema angeschaut und durchgelesen und konnte mich immer mehr dafür begeistern.

Den Minimalismus habe ich für mich entdeckt, als ich vor ein paar Jahren eine große Entrümpelungsaktion bei mir zu Hause gestartet habe, seitdem habe ich versucht regelmäßig auszumisten und nicht mehr so viel Kram zu kaufen. Weniger Dinge zu besitzen habe ich als sehr befreiend empfunden und war für mich rückblickend ein positives Schlüsselerlebnis.

Als Anfang des Jahres dann der Lockdown und die vielen Einschränkungen kamen, habe ich nochmal deutlich gemerkt, wie wenig Sachen und Geld ich eigentlich benötige. Ich habe in dieser Zeit wenig Geld ausgegeben und mich wieder mehr mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt. Gleichzeitig habe ich aber auch viel unternommen, vor allem in der Natur und habe deutlich gemerkt, dass man auch mit kleinen Ausgaben viele Freizeitmöglichkeiten wie zum Beispiel Wandern, gemeinsames Kochen und Grillen hat.

Der Fokus auf die Finanzen ist für mich auch der größte Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus und für mich sehr interessant.

 

Was genau am Frugalismus gefällt dir?

Einerseits gefallen mit am Frugalismus Dinge, die ich auch beim Minimalismus sehr schätze. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass weniger Besitz auch mehr Freiheit bedeuten kann. Gleichzeitig kann durch einen geringeren Konsum auch etwas für die Umwelt getan werden, was natürlich ein toller Nebeneffekt ist. Da ich die letzten Monate (vor Corona) auch sehr viel geflogen bin, ist das auch ein bisschen was gegen das schlechte Gewissen…😉

Andererseits wird bei dem Thema Frugalismus auch viel Wert auf den finanziellen Aspekt gelegt. Momentan investiere ich in breit gestreute ETFs und bilde mich in Finanzfragen laufend weiter.

 

Hast du schon konkrete Ziele für die Zukunft?

Langfristig möchte ich weiter sehr bewusst konsumieren, aber auch nicht zu streng mit mir sein. In den letzten Wochen habe ich viele kleinere Challenges gemacht und versucht zu schauen wie viel Geld ich wirklich brauche, und worauf ich alles verzichten kann ohne Einschränkungen zu haben. Ich bin gerade aber noch dabei meinen individuellen Weg zu finden.

In Zukunft werde ich weiter in ETFs investieren. Für nächstes Jahr habe ich mir außerdem das Ziel gesetzt, zum ersten Mal meinen vollen Sparerfreibetrag auszuschöpfen und somit an meinem passiven Einkommen zu arbeiten. Ein langfristiges Ziel ist es, bis ich 40 Jahre alt bin mindestens meine Miete mit passiven Einnahmen decken zu können.

 

Wurdest du schon mal wegen deiner Lebenseinstellung kritisiert? Wie gehst du damit um?

Viel Kritik habe ich noch nicht bekommen, das liegt aber auch daran, dass ich noch gar nicht allzu vielen Leuten von meinen genauen Plänen und meiner Einstellung erzählt habe. Aus meiner Familie aber kam bereits die Anmerkung, wie ich es denn mit meinen vielen Reisen/Urlauben in Zukunft handhaben werde, da ich die letzten beiden Jahre recht viel unterwegs war. Das ist ein Punkt, bei dem ich noch nicht weiß wie ich das in Zukunft machen werden. Wenn mir aber eine Reise sehr viel Freude bereitet ist es meiner Meinung nach auch frugalistisch diese zu machen. Ich denke man muss hierbei immer das Verhältnis von Geld zu der Freude sehen.

 

Gibt es etwas das du Nicht-Frugalisten oder Neulingen mit auf den Weg geben möchtest?

Meiner Meinung nach ist es wichtig nicht mit zu vielen Vorurteilen an das Thema Frugalismus ranzugehen und diesen sehr individuell für sich zu definieren. Ich denke, dass ein frugalisitscher Lebensstil bei verschiedenen Personen/Umständen sehr unterschiedlich aussehen kann und man sich dabei nicht zu sehr auf andere fokussieren sollte. Wichtig ist es für sich selbst festzulegen: was ist mir wichtig und wofür gebe ich gerne Geld aus. Und was sind einfach unnötige, impulsive und emotionale Ausgaben, welche mich langfristig nicht glücklicher machen.